Autor: Marco Caimi

TESTOSTERON – EINE WUNDERTÜTE?

„Je länger der Zyniker lebt, desto mehr beschleicht ihn das Gefühl, Liebe wäre eine hormonelle Entgleisung.“

Wolfgang J. Reus

Das Hormon Testosteron wird zu 90-95% beim Mann  im Hoden und bei der Frau im Eierstock gebildet. 5-10% stammen aus der Nebennierenrinde. Mann und Frau haben sowohl männliche als auch weibliche Hormone, wenn auch in unterschiedlicher Menge.

Was sind die Wirkungen von Testosteron?

Das Hormon Testosteron wirkt in allen unseren Lebensphasen und praktisch allen unseren Organen. Selbst die Stimmung wird positiv beeinflusst. Im Einzelnen:

Beide Geschlechter:

Stoffwechsel:

Verbesserung des Fettstoffwechsels (Cholesterin, freie Fette)

Verbesserung des Zuckerstoffwechsels (Erhöhung der Zuckertoleranz, Anti-Diabetes-Faktor)

Blut:

Bildung roter Blutkörperchen

Knochen:

Knochenaufbau

Erhöhung der Knochendichte

Muskeln:

Erhalt und Aufbau der Muskeln

Sexualität:

(Steigerung der) Libido

Erhöhte sexuelle Aktivität

Erektionsfähigkeit

Zentralnervensystem/Gehirn:

Positiver Einfluss auf Stimmung und Psyche

Mehr Antrieb

Weniger subjektive Müdigkeit

Körperliche Leistungsfähigkeit:

Steigerung der Leistung

Verbesserung des Sauerstoff-Haushaltes

Vorwiegend beim Mann:

Geschlechtsorgane:

Ausbildung der männlichen Geschlechtsorgane

Haut und Haare:

Bartwuchs

Männliche Körperbehaarung

Wie wirkt sich ein Testosteron-Mangel (Hypogonadismus) aus?

Wie aus obenstehendem ersichtlich wird, hat ein Mangel an Testosteron, der bei den Wechseljahren des Mannes, der sog Andropause (die schleichender verläuft als die weibliche Menopause) eintreten kann, nicht nur auf die Sexualität eine Auswirkung. Insbesondere kann es zu einer Ausbildung des sog. Stoffwechselsyndroms = metabolisches Syndrom) kommen. Das ist ein Komplex aus folgenden Krankheitsbildern, die einzeln oder in toto auftreten können:

Bluthochdruck

Übergewicht

Diabetes Typ II

Fettstoffwechsel-Störung(en) (sog. Dyslipidämien)

Die amerikanische Medizin-Literatur spricht vom „Deadly Quartet“.

Gute oder angehobene Testosteron-Werte verbessern insbesondere die Zuckertoleranz , die diversen Cholesterin-Fraktionen und die freien Fette. Die Risiken schlechter diesbezüglicher Werte auf insbesondere das Herz-Kreislauf-System sind  hinlänglich bekannt, inklusive das Risiko thrombo-embolischer Ereignisse. Mulligan et al. zeigten in einer prospektiven Studie an 2165 Männern > 45 Jahren folgende Häufigkeiten bei Testosteron-Mangel auf:

Dyslipidämien: 40%

Bluthochdruck: 42%

Diabetes II: 50%

Adipositas: 52%

(Mulligan T. et al. Int. J Clin Pract 2006;60:762-769)

Ebenso fördert ein Testosteronmangel eine schnellere altersbedingte Rückbildung der Muskeln und der Knochendichte (Stichwort: Osteoporose), Konzentrationsschwäche, Müdigkeitsgefühle, Schweissausbrüche/Hitzewallungen und depressive Verstimmungen mit Abnahme der geistigen Aktivität und insbesondere Lebensfreude.

Warum sollte insbesondere der Mann seinen Bauchumfang kennen?

Der Bauchumfang ist kein Mass für die Menge an Bauchmuskeln, sondern für die Menge an Fett im Bauchraum. Diverse Studien haben gezeigt: Je grösser der Bauchumfang beim Mann, desto niedriger ist in der Regel sein Testosteron-Spiegel. Männer mit einem Bauchumfang über 102 cm haben mit hoher Wahrscheinlichkeit einen zu tiefen Testosteron-Spiegel.

Ein dicker Bauch ist nicht sexy, auch nicht besonders gemütlich. Wer das behauptet, betreibt Selbstbeweihräucherung. Aber das Bauchfett ist vor allem eine „Hormonfabrik“. Es produziert Substanzen, die zu Entzündungen an den Gefässen führen und diese verengen können. Deshalb messen wir in der Männerpraxis nicht nur das gesamte Körperfett, sondern auch das Bauchfett (=viszerales Fett). 

Hinterlistige Fettzellen

Die Fettzellen treten in doppelter Hinsicht negativ auf:

Sie produzieren einerseits unkontrolliert das Sättigungshormon Leptin. Dadurch verringert sich seine Wirkung als Essbremse. Es kommt zu einer übermässigen Nahrungsaufnahme, da das Sättigungsgefühl nicht einsetzt.

Andererseits gibt es in den Fettzellen das Enzym Aromatase. Dieser Schlingel wandelt Testosteron in Östrogen um, das heisst, fette Männer verweiblichen, was bestenfalls im Sinne von radikalisieren #Hashtag-Feministinnen sein kann. Schon mal gewundert, warum so richtig übergewichtige Männer Brüste haben? Alles klar jetzt?

FRAUEN SPECIAL:

Alles bisher gesagte trifft im Prinzip auch auf Frauen zu, da es auch bei der Frau eine anabole (aufbauende und erhaltende) Wirkung entfaltet:

Herz-Kreislauf, Stoffwechsel, Knochendichte, Muskulatur, Psyche/Stimmung, Sexualität.

Trotzdem wird Testosteron heute noch häufig als lediglich männliches Hormon angesehen. Obwohl Testosteron bei der Frau in einem zehntel Ausmass wie beim Mann produziert wird, ist es ein wichtiges Hormon auch für die weibliche Sexualität und Gesundheit generell. Frauen mit Testosteronmangel haben nach Substitutionstherapie (Ersatztherapie) von Testosteron nachweislich häufiger Geschlechtsverkehr, eine positive Bejahung des Sexuallebens und eine normale(re) Orgasmusfähigkeit. Insbesondere nach Unterleibsoperationen wie Gebärmutter- und Eierstockentfernung entwickeln ca. 50% der betroffenen Frauen ein sog. HSDD (Hypoactive Sexual Desire Disorder). Nach Normalisierung des Testosteronwertes kam es zu einer Steigerung der sexuellen Aktivität um 74% (Prof. Susan David, Melbourne).

Diagnose eines Testosteronmangels

Bevor Sie nun irgendwo auf dem Schwarzmarkt des Internets als exquisites Weihnachtsgeschenk Testosteron für Ihre(n) PartnerIn kaufen nach dem Motto „lieber starke TigerInnen statt schlaffe KriegerInnen“ bedenken Sie eins:

„Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gesetzt,“sagte Demokrit schon im alten Griechenland. Dem ist beizupflichten. Längst nicht alle Menschen haben nach Meno- oder Andropause einen Testosteronmangel. Für Frauen und Männer empfiehlt sich als Top-Diagnostikum die Blutbestimmung.

Für Männer gibt es zudem noch einen spezifischen Testfragebogen, den AMS-Test (Aging Males’ Symptoms rating scale), den wir in der Männerpraxis natürlich griffbereit haben.

In den 80 und 90ern war es hip, im Rahmen des Anti-Aging-Hypes einfach allen Männern ab 45 Testosteron zu verabreichen. Das kann unter Umständen zu einem massiven Eingriff in den hormonalen Haushalt eines Menschen führen. Ist zu viel Testosteron an Bord, kann es zu Leber-, Nieren-, Prostata oder Herzschäden kommen, ebenso verkümmern die Testosteron produzierenden Organe, insbesondere die Hoden .

Also: Im Prinzip wie beim Auto: Voller Tank – fahren, leerer Tank oder Reserveanzeige – zur Tanke.

Behandlung des Testosteron-Mangels

Auffüllen! Es gibt mittlerweile Gels, die man bequem und schmerzlos auf der Haut aufträgt. Nach 2-3 Monaten nachmessen. Befolgen die Patienten die Therapie diszipliniert, sehen wir immer, dass sich das auch im Blut niederschlägt. (Sollte das ausnahmsweise nicht der Fall sein, kann man die Therapie auch mit Injektionen ca. alle 6-8 Wochen durchführen). Ist sehr selten.

Die Therapiefortsetzung definiert man je nach neu erreichtem Spiegel: Weiterführen für 1-2 Monate, Reduktion auf minimale Erhaltungstherapie oder bei starkem Anschlagen gar ein halbes Jahr Therapiepause und dann Nachkontrolle.

(Achtung:Die Dosierung bei der Frau ist ungleich tiefer als beim Mann und darf auf keinen Fall miteinander verglichen werden. Es gilt ja eine Virilisierung (Vermännlichung) der Frau zu vermeiden!)

Schluss-Motto: Stimmige Hormone, damit die besten Jahre von Frau und Mann auch die besten werden und bleiben!

© Dr. med. Marco Caimi; maennerpraxis.ch

WINTERZEIT – KRANKHEITSZEIT?

„Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“

Arthur Schopenhauer

Liebe Freunde

Ich hoffe, Ihr habt alle den goldigen Herbst geniessen können? Die Temperaturen fallen allmählich, die Tage werden kürzer, das Sonnenlicht wird rarer, nasskaltes Wetter wird auch diesen Spätherbst und Winter nicht ausbleiben.

Der November-Blues hält da und dort Einzug und wird durch die „besinnliche“ Weihnachtszeit manchmal gemildert, manchmal verstärkt. Müdigkeit, Lust- und Antriebslosigkeit machen sich breit, ohne dass es gleich immer ein Burnout oder eine klassische Depression sein muss.

Aber die angebrochene und bevorstehende Jahreszeit ist auch ein idealer Tummelplatz für Erkältungs- und Grippeviren, alleine oder in Folgebegleitung von Bakterien. Wir sind dem aber nicht schutzlos ausgeliefert.

Die Grippeimpfung ist allseits bekannt, wird aber höchst unterschiedlich vertragen. Ich möchte daher mehr auf unsere natürlich im Körper vorhandenen Abwehrkräfte eingehen. Eiweiss-Mangel, Zinkmangel, Eisenmangel sind leistungshemmende Faktoren. Das ist noch einigermassen bekannt. Bei Hormonen, zum Beispiel dem Testosteron, tappen viele im Dunkel, da es von Hausärzten sehr selten bestimmt wird. 

Eklatanter Vitamin D-Mangel

Zappenduster sieht es hingegen beim Vit. D aus, das übrigens auch ein Hormon ist und in der Haut in Zusammenspiel mit Sonnenlicht gebildet wird. Somit wird die Haut zu einer Drüse, einem endokrinen Organ. Entzieht man ihr die Sonne komplett, wird sie krank. Was eine kranke Drüse bedeutet, wissen Sie. Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse, Brustdrüse, Vorsteherdrüse, Keimzellen. Der Vitamin D-Mangel ist vor allem in den Wintermonaten, auch in der Schweiz, eklatant. Bereits 2012 ergab eine Studie an 776 Luzerner Hausarztpatienten einen Vitamin-D-Mangel von 45,1%. Und jetzt kommt es: Im September! Spezialisten sagen, gestützt auf weitere Studien, dass Ende Sommer die Häufigkeit von Vitamin-D-Mangel 50% erreicht, im März/April aber 80%!!

Hauptsymptome von Vitamin-D-Mangel:

Erhöhte Infektanfälligkeit

Müdigkeit

Leistungsabfall

Stimmungsabfall

Schlafstörungen

Erhöhte Gefahr von Knochenschwund

Warum aber ist das so?

Die Sonne ermöglichte erst das Leben auf der Erde. Die alten Ägypter, eine der am höchsten entwickelten Kulturen, haben die Sonne verehrt.

Nun aber wird sie verteufelt, von der WHO gar als toxisch eingestuft. Natürlich ist das Sonnenlicht ein Januskopf: Viel zu viel kann zum Melanom, dem Hautkrebs, führen. Zu wenig macht aber auch krank. Was kommt Ihnen dabei in den Sinn? Genau – Paracelsus. 

„Alles ist Gift, nichts ist Gift, die Dosis macht’s!“ Leider haben wir oft jegliches Mass verloren: Die einen rösten stundenlang an der Sonne, die anderen schmieren sich neurotisch für 5 Minuten Exposition mit Sonnenschutzfaktor 50 oder mehr zentimeterdick ein.

Kennen Sie Ihren Vitamin D-Vorrat?

Oder der anderer Leistungs- und Krankheitsschutzfaktoren? Keine Hexerei, das zu objektivieren. Dafür gibt es phantastische Labordiagnostik, wir nehmen Ihnen nur das Blut ab und besprechen ausführlich die Resultate und Konsequenzen daraus mit Ihnen und geben Ihnen sämtliche Befunde im Original mit, den diese gehören Ihnen. Wir behalten die Kopie.

Die Resultate liefert uns ein topprofessionelles Labor, das wir vor zwei Wochen vor Ort besichtigen durften. Wir waren beeindruckt. Modernste Apparate und Abläufe, am eindrücklichsten aber: Überall das vier-Augen-Prinzip, das einzige Labor, welches das so handhabt. Grund: Viele wissen gar nicht, wie viele Blutproben verwechselt werden…Vielleicht auch besser so.

Und: Wir haben die Resultate am nächsten Tag. Was sollen wir also mit eigenem  Hexenküchen-Labor herumwursteln?

Wie machst du das eigentlich?

Du bist ja auch nicht mehr der Jüngste. Etwas, das ich oft höre: Eine Praxis führen, Seminare geben, schreiben (wie jetzt zum Beispiel), Kabarett-Stücke verfassen und spielen und noch 50km die Woche laufen. 

Die Antwort ist einfach. Das eine alimentiert das andere mit Freude, der beste Motivator um zu arbeiten. Andere denken dafür dauernd über Überstunden nach. Kann auch glücklich machen.

Und ich kenne meinen Körper, was er braucht und was ihm manchmal fehlt. Denn was ich Ihnen mit diesem Newsletter zumindest theoretisch zumute, mache ich bei mir selbst: Regelmässig messen. Diagnostik. Ich fahre übrigens auch nicht auf die Autobahn, wenn die Benzin-Anzeige auf Reserve steht. Das Armaturenbrett ist Dauerdiagnostik.

Denken Sie mal darüber nach.

Wir sind für Sie da – ohne Unterbruch bis Weihnachten.

Herzlichst und ein tolles Herbstwochenende!

Marco Caimi

WENN DER MANN EINEN HÄNGER HAT…

„Nichts ist so elend wie ein Mann, der alles will und nichts kann.“

Matthias Claudius

Wir dürfen dieses Jahr ein Jubiläum feiern: 20 Jahre Viagra. Hat das unser Leben bereichert? Eine Frage, die kontrovers diskutiert wird. Viele sprechen vom Sex-Doping, von Lifestyle-Quatsch, von Verlust von Körperbezug. Nicht selten sind die am meisten dagegen schreienden die grössten Anwender, so wie auch niemand den Blick liest oder DSDS schaut (und doch wissen alle Bescheid, wer Daniel Küblböck war – wie viele Jahre ist das schon her?)

Erstaunlich ist, und das sollte zu denken geben, dass die Anwender immer jünger werden (und mit jünger meine ich U 30!).

ED (erektile Dysfunktion) hat mannigfache Ursachen. Generell gilt: Je jünger ein Betroffener ist, umso unwahrscheinlicher sind organische Ursachen und umgekehrt:

Je älter, umso mehr können Gefässschädigungen im Vordergrund stehen, verursacht durch langjähriges Rauchen, Diabetes, Gefässerkrankungen anderer Ursache, denn bei der Erektion geht es auch um eine gute Durchblutung des männlichen Anhangorgans.

Ausbleibende Spontanerektionen oder unbefriedigende Erektionen können auch ein diskreter Hinweis auf Durchblutungsstörungen im ganzen Körper, zum Beispiel an den delikaten Herzkranz- und Gehirngefässen, sein oder wie ein Deutscher Kollege völlig zutreffend, wenn auch ziemlich direkt, formulierte: „Der Schwanz ist die Antenne des Herzens und des Gehirns!“

Darum im Zweifel auch die Abklärung des Herzens ins Auge fassen, aber bitte nicht mit simplem, wenig aussagendem Ruhe-EKG, sondern unter Belastung (Belastungs-EKG)

Nicht zu unterschätzen sind seelische Faktoren: Sehr belastende Situationen (beruflich, privat, gesundheitlich) wirken sich äusserst negativ auf die Erektionsfunktion aus. Vor dem Verschrieb von Viagra und artverwandten Produkten gilt es, insbesondere solche (Co)-Faktoren zu analysieren und möglichst einzudämmen oder zu eliminieren. Des weiteren gehört bei Männern, ich sage mal Ü40, auch die Analyse des männlichen Hormonstatus und anderer Blutwerte wie das PSA für die Prostata zur sorgfältigen Abklärung. Sind diesbezügliche Mangelzustände vorhanden, sind diese zu beheben. 

Die EVA…

Wie könnte es anders sein beim Mann: Wieder mal spielt die EVA eine wesentliche Rolle. In diesem Fall geht es aber nicht um die biblische Schlangenbeschwörerin und Apfel-Darreicherin, denn EVA bedeutet EarlyVascular Aging, vorzeitige Gefässalterung. Wir quantifizieren diese in der Männerpraxis einfach, unblutig und strahlenfrei mit einer etwas ausgedehnteren Blutdruckmessung (Arthrograph), bei der nicht nur der obere (systolische) und untere (diastolische) Blutdruck und die Herzfrequenz, sondern auch noch gleichzeitig die Pulswellengeschwindigkeit gemessen wird. Je höher diese ist, um so starrer sind die Gefässe und damit deren Zustand und die Durchblutung generell schlechter: Vom Gehirn, vom Herzen, vom ganzen Körper und beim Mann damit auch von seinem besten Freund. So können wir auch ganz einfach feststellen, ob das biologische Alter mit dem effektiven Jahrgang übereinstimmt oder die gemessene Person effektiv jünger oder älter ist, was den Zustand ihrer Gefässe betrifft.

Da nicht wenige auch eine Vergangenheit (hoffentlich hinter sich) haben (mit entsprechender Vorbelastung der Lungen) und Nikotin das stärkste, regelmässig konsumierte Gefässgift ist, bestimmen wir (ebenfalls unblutig) die Sauerstoffsättigung im arteriellen Blut.

Erektionsfördernde Mittel

Man unterscheidet relativ schnell ihre Wirkung entfaltende Mittel aus der „Viagra“-Gruppe (Wirkstoff: Sildenafil)  und eher langsam, dafür länger wirkende Mittel von der „Cialis“-Fraktion (Wirkstoff: Tadalafil). Die entsprechende Anwendung richtet sich gerade in festen Beziehungen nach der vornehmlich präferierten Sexualität einer Lebensgemeinschaft: Eher spontaner Sex oder eher mehr der Typ „romantisches Wochenende/Slow Sex“.

Eine Frage, die immer kontroverser diskutiert wird, ist: Darf man Alkohol dazu trinken? Ja, man darf, aber nicht zu viel, weil Alkohol ebenfalls wie die Mittel an sich gefässerweiternd ist und potentielle Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen verstärken kann. Und zu viel Alkohol macht müde Männer eh nicht munter, sondern nur noch müder….

Einnahme heimlich oder „deklariert“?

Liebe Herren, ich würde solche Mittel nicht heimlich einnehmen. Entdecken das die Frauen, kann es, sagen wir mal, „spezielle“ Reaktionen und Empfindungen auslösen. Einige Partnerinnen von Patienten, haben auch schon, völlig unabhängig von einander, den Begriff „chemisches Fremdgehen“ erwähnt. Ein durchaus interessanter Begriff, der an dieser Stelle nicht erschöpfend diskutiert werden kann.

Kosten von Erektionsförderern

Die Kosten, gerade in der Schweiz, sind erheblich, auch bei Generikas, und dadurch auch schon mal richtige Spassbremsen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht, was grundsätzlich auch in Ordnung ist.

Trotzdem empfiehlt es sich AUF KEINEN FALL im Internet bei unbekannten und ungeprüften Anbietern solche Substanzen zu bestellen. Nicht, weil sie besonders gefährlich wären, sondern vielmehr, weil, aus Kostengründen, vielleicht weniger Wirksubstanz drinnen ist als auf der Packung deklariert. Wenn dann Mann etwas einnimmt und es funktioniert wegen der beschriebenen Unterdosierung trotzdem nicht, kann es sich sehr unangenehm in dessen Kopf festsetzen und sogar mental chronifizieren, nach dem Motto: „Nicht mal das hilft noch…“

Die Männerpraxis hat den Überblick über möglichst erschwingliche, preiswerte und trotzdem qualitativ ganz sichere Lösungen. 

Fazit

Der Einsatz von erektionsstimmulierenden Substanzen ist nicht einfach ein Lifestyle-Quatsch, wie bösartige Zungen behaupten. Gerade die Sexualität in der zweiten Lebenshälfte oder gar im dritten Drittel wurde vor allem von uns Ärzten bis zum Ende des 20. Jahrhunderts tabuisiert oder zumindest negiert. Im gleichen Zug müssen wir aber auch von der starren Vorstellung loskommen, dass (männliche) Sexualität nur aus Erektion, Penetration und Ejakulation besteht. Auch sind wir alles Menschen und keine Maschinen, die auf Knopfdruck funktionieren. Das sind nur Rocco Siffredi und seine Kumpels J…!

Bei einer sorgfältigen Abklärung, diese in Kombination mit einer dosierten und verantwortungsvollen Anwendung des richtigen Präparates, können diese Mittel viel Freude in eine Paarsexualität (zurück)bringen.

@ Dr. med. Marco Caimi; maennerpraxis.ch

DAS FERIENENDE

Ferien (Teil I)

„Nirgends strapaziert sich der Mensch so sehr, wie bei der Jagd nach Erholung.“
Laurence Stern (1713-68), Pfarrer, Domherr und Schriftsteller

Ferien– für viele ein grosses Ziel, vor allem die Sommerferien.
Ferien– etwas Wunderbares, ein „Tapetenwechsel“ mit dem entsprechenden geopsychischen Effekt.
Ferien– anderes Klima, andere Menschen, anderes Licht, andere Geräusche, andere Speisen.
Ferien– Strände, Wasser, Berge, Panoramas.

Ferien können aber auch zur Belastung werden, zum Familienstress, zur partnerschaftlichen Zerreissprobe ausufern: Nie werden in Deutschland so viele Scheidungsbegehren eingereicht wie nach den Sommerferien.

Ferien bedeutet aber irgendwann mal auch: Ferienende. Rückreise. Die Post. Die Mails (für diejenigen, die sie in den Ferien nicht abrufen.) Wie sehen die Pflanzen aus, der Garten? Die Wohnung, vor allem wenn Teenies alleine zu Hause waren…? Und, fast vergessen, da wäre ja noch der Arbeitsbeginn. Kann es sein, dass er das Schlimmste an der Rückkehr ist? Einige werden jetzt still und leise nicken. Meine Zielgruppe für diesen Blog.

In der Tat ist die Arbeit für viele Menschen nur noch zu einem notwendigen Übel verkümmert. Wann ist Feierabend, wann ist Wochenende, oder sogar: Wie lange „muss ich noch“ bis zur Pensionierung? gehören zu den am häufigsten gestellten Fragen.
Radiomoderatoren zelebrieren den Feierabend- und vor allem Wochenendkult, als gäbe es nach dem nächsten Weekend keinen Montag mehr. Am Mittwoch werden Bergfeste gefeiert: „Mehr als die Hälfte geschafft!“ Und das Interessante daran: Es ist ein wahrscheinlich weltweites Phänomen, ob SRF 3, SWR 1, Ö3 oder 94.5 aus Kapstadt. Dieser Sender schoss schon mal den Vogel ab: Ich fahre vom Cape Town Airport auf der N2 Richtung Stellenbosch, vorbei am Township Khayelithsa (1,5 Mio leben in diesem Township, vielen hätten gerne irgendeinen Job…), es ist Montag (!) Mittag, als der Moderator, Koebus, hinaus posaunt: „It is twelve o’clock, folks, half Monday is done, the weekend is near!“

Für viele ist die Arbeitswoche nur noch eine Unterbrechung zwischen zwei Wochenenden. Aber zum Glück gibt es noch Ostern, Auffahrt, Pfingsten, 1. Mai, und den 1. August. Wie bitter, wenn einer dieser Tage auf ein Wochenende fällt. Wie kann man nur so rücksichtslos den Kalender planen? Die Deutschen haben den Tag der Einheit und ganz viele Heilige, die an ihrem Tag auf frei bestanden haben.

Die mediale Beeinflussung ist mittlerweile so gross, dass viele nicht merken, dass sie beinahe einen Drittel ihres Lebens vor dem Fernseher oder anderen Bildschirmen verbringen. Vielleicht haben die alle auch einen Lebenstraum, ihr real gelebter heisst aber Ablenkung.

Andere sind zukunftsorientiert: „Wenn ich dann nicht mehr arbeiten muss (als Rentner zum Beispiel) mache ich…“ Mein Vater funktionierte so: Mit 65 wollte er sein kleines Heizölgeschäft aufgeben, genug der Abhängigkeit vom Spottmarkt und das Feilschen mit Eigenheimbesitzer um 3 Rappen/Liter. Er tat es mit 65 ½, am dritten Tag seiner ersten Ferien als Rentner besuchte er das Kloster Einsiedeln, danach fühlte er sich in Engelberg in der Ferienwohnung nicht wohl, Stunden später war er tot, verblutet auf dem OP-Tisch des  Kantonspital Luzern. Ich, in den frühen Morgenstunden herbeigeeilt nach einem Anruf einer Assistenzärztin, durfte die lebenserhaltenden Maschinen abstellen, weil ich in den Augen des medizinischen Staffs Arzt und nicht in erster Linie meines Vaters Sohn war…

Diesen Moment, der auch nach mittlerweile 22 Jahren nicht einfach vorbei ist, hat mich geprägt und es reifte in mir der Entschluss, Dinge, die mich interessieren, die Spass machen, nicht erst nach der Berentung, sondern laufend zu tun: Schräge Vorträge und Seminare zu halten, eine Romantrilogie zu schreiben, Kabarett spielen, mit meinen erwachsenen Kindern (Sohn und Tochter) nächsten Monat für ein paar Tage nach Düsseldorf fahren, um uns am längsten Tresen der Welt das bisherige Leben nochmals zu erzählen. Bisher hat das alles ganz gut geklappt (und in Düsseldorf herrscht nicht tote Hose, auch wenn die gleichnamige Band von dort stammt. Und die Fortuna ist wieder erstklassig, im Gegensatz zu Köln – hihihi….)

So, so viel zum ersten After-Ferien-Teil. Im zweiten werde ich Euch ein paar Nachdenkfragen stellen. Nicht vergessen: Arbeitszeit ist auch Lebenszeit. Die kommt nicht wieder.

Stay tuned!

@ Marco Caimi, maennerpraxis.ch

WENN ES MICH ERWISCHT….

„Never, never, never, never give up!“

Winston Churchill

 Arbeitszeit ist Lebenszeit. Trotzdem verharren nicht wenige Menschen in einem Job, der sich insbesondere durch rhythmisch wiederkehrende Wochenenden und Ferien strukturiert: „Montag, halb zehn und die Woche will kein Ende nehmen.“ Hört man Radio SRF3, kommt man zu Glauben, dass Leben bestehe aus Freitag Abenden, Samstagen, Sonntagen und im Sommer aus Open-Air-Festivals – von Schlamm-Gallen bis Greenfield und Gampel.

Warum aber verharren Menschen in beruflichen unbefriedigenden oder gar belastenden Situationen? Im Vordergrund steht die Komfortzone („irgend etwas muss ich ja tun und überall stimmt was nicht…“), aber auch die verständliche Angst, nichts mehr zu finden, gerade wenn man nicht mehr young, free and independent ist, sondern Verantwortung für eine Familie hat. Gerade Menschen, die auf die fünfzig zugehen oder diese Marke gar überschritten haben, tun sich darin schwer. Verliert man eine Stelle wider Willen, kommt oft eine Negativspirale in Gang.

Nicht selten nagt eine Arbeitslosigkeit an der physischen und vor allem psychischen Substanz. Gemäss einer Studie der Universität Leipzig seien zwei Drittel der Langzeitarbeitslosen psychisch erkrankt.

Dass Arbeitslosigkeit die Menschen bis tief in ihre Seele hinein betrifft, weiss man spätestens seit der berühmten Studie über die „Arbeitslosen von Marienthal“ (in der Nähe Wiens) aus dem Jahre 1933 (!). Ihre damals hoffnungslose Situation mit den hinlänglich bekannten politischen Auswüchsen führte zur Resignation und einem veränderten, langsameren Zeiterleben.

Heute wird fast unbestritten davon ausgegangen, dass Arbeitslosigkeit zu einer Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes führt (Kausalitätshypothese) mit den Folgen:

Depressive Verstimmung, Verlust von Selbstvertrauen und –achtung, veränderte negative Selbstwahrnehmung, Hilf- und Hoffnungslosigkeit und sozialer Regression (Rückzug mit evtl. sogar Einsamkeit), diese teilweise auch finanziell bedingt („kann ich mir nicht mehr leisten“.)

Diesen Ansatz hat die deutsche Depressionshilfe aufgenommen. Nach ihr sind unbehandelte seelische Mangelzustände das grösste „Vermittlungshemmnis“ für längere Zeit Arbeitslose. Bei Bewerbungsgesprächen stimmt gar nichts mehr: Rhetorik, Körpersprache, Selbstsicherheit und damit Überzeugungskraft für den Interviewer.

Es gibt aber auch die andere Seite: Gemäss Prof. Ulrich Hegerl von der Universität Leipzig lägen die Verhältnisse oft andersrum: Seelische Erkrankungen mit Antriebsmangel oder chronischer Müdigkeit führen zur Arbeitslosigkeit und erschweren den Weg zurück ins Berufsleben (Selektionshypothese).

Gemäss Prof. Wolfgang Schneider (Universität Rostock) gelte für Langzeitarbeitslose sowohl die Kausalitäts- als auch die Selektionshypothese.

Wie komme ich dazu, mich mit diesem Thema so intensiv zu befassen? Ein nicht kleiner Teil der Arbeit in der Männerpraxis besteht darin, Menschen (Männer und Frauen) bei beruflicher Neuorientierung zu begleiten. Es herrscht immer noch der Irrglaube, dass ein gutes Bewerbungsdossier es schon richten würde. Dieses (Dossier) ist aber nur die unabdingbare Grundlage. Diagnostisches Erfassen von körperlichen oder psychischen defizitären Zuständen, Bewerbungstraining, Auffangen von Enttäuschungen, Neumotivation, Optimierung von körperlicher Leistungsfähigkeit („wirke ich schlaff oder mit Energie versehen?“), Aura-Verbesserung („wie wirke ich, was strahle ich aus, was sind meine nonverbalen Botschaften?“), manchmal wenn nötig auch der Einbezug von LebenspartnerInnen, aber auch Kreativitätsarbeit (Entwickeln und Begleiten von und bei alternativen Berufsideen – nicht selten sind aus schier hoffnungslosen Situationen schon erfolgreiche Selbständigkeiten entstanden!) gehören zur Therapie- und vor allem Coaching-Arbeit. Und darin der Glaube an ein gutes Ende, die Förderung der Beharrlichkeit und das Vermitteln der Botschaft, dass man nicht alleine mit seinem Schicksal ist. Gerade die staatliche Seite beschränkt sich nicht selten auf die Kontrolle der Anzahl Pflichtbewerbungen. Es klingt noch an meinem Schallgebälk, als mir Werner Kieser, mein alter Weg- und Streitgefährte einst sagte (Zitat): „Wenn Beamte(da gab es noch Beamte! Anmerk. d. Schreibenden) der Arbeitsvermittlungsstellen Arbeitslose wieder in einen Beruf bringen wollen, ist es das Gleiche, wie wenn man in Holland Bergführer ausbilden würde.“ (Zitatende)

Denn: Diese Arbeit erfordert ein hohes Coaching- oder manchmal auch therapeutisches Engagement, nicht selten auch am Wochenende, wenn die Zeit still zu stehen scheint. Der Preis dafür ist nicht nur oder primär die bezahlte Honorarnote, sondern der neue Arbeitsvertrag, die Beurkundung oder die anfängliche Begleitung unserer Gäste, Klienten und Patienten in eine Selbständigkeit, die sich erfolgsversprechend entwickelt.

© Dr. med. Marco Caimi, maennerpraxis.ch

 

 

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