LE ROI ALAIN

Wir erinnern uns an die Erpressungsaffäre unseres leuchtenden Innen- und Gesundheitsministers. War da was dran?

Von Marco Caimi  

Gesundheitsminister Alain Berset muss entweder ein genialer Koch oder ein grosser Restaurant-Hasser oder beides sein. Anders kann man seine (deutschschweiz-weite) «Anordnungen» der Sperrstunde um 19 Uhr nicht verstehen. Vor allem kombiniert mit dem Beinahe-Obligatorium des Home Offices, bis im Februar 2020 noch Einzelhaft genannt. Durch dieses fällt nämlich auch schon das Mittagsgeschäft für die Restaurants ins Wasser und bitte, was soll das, bis 19.00 Uhr? Wir sind doch nicht in England, wo wir diese unverständliche Zeit noch mit einem üppigen After-Noon-Tea kompensieren könnten! Liebe Beizer, ich kann mich nur Stefan Millius von der «Ostschweiz» anschliessen, der am 12.12. schreibt: «Beizer, dreht den Schlüssel um und geht nach Hause. So kann man kein Restaurant führen!»

Diesen administrativen Sesselfurzern, mit oder ohne Task …, sollte man dieses Jahr den 13. Monatslohn streichen. Während dem viele in Kurzarbeit (und vorher schon schlecht verdienend) am 13. Jeweils nichts mehr haben, sind für die Zerstörer des ganzen sozio-ökonomichen Gleichgewichts (das per WHO-Definition auch zur Gesundheitsdefinition gehört!) die üppigen Verwaltungslöhne garantiert, obwohl viele von ihnen zu Hause «arbeiten»…

Immerhin: Die Erpressungs-Affäre um den Gesundheits-Sonnenkönig Alain, 48, wird klarer. Berset lernte in seinem ersten Bundesratsjahr im 2012 bei einem offiziellen Anlass der Eidgenossenschaft eine 14 Jahre jüngere Künstlerin kennen. Das ist erlaubt.

Die beiden wurden danach ein geheimes Paar. Auch nicht strafbar. Sie war damals schon eine bekannte Figur in der Kunst- und Kulturszene. Aha.

Offiziell war sie mit einem anderen Mann zusammen, ebenfalls einem Künstler und noch bekannter als die Frau. Wie bekannt die alle sind – und doch kennt sie niemand?

Die Frau wird nun in der Affäre Berset als «Täterin» bezeichnet. Sie hatte einen Strafbefehl der Bundesanwaltschaft akzeptiert, ebenso wie die Vernichtung von Fotos und Mails, wie die Weltwoche vorletzten Samstag enthüllte.

Doch die junge Frau und Mutter ist auch Opfer. Sie hatte mit dem Freiburger Sozialdemokrat ein Verhältnis, das die Rollen klar zuordnete: Hier der mächtige Magistrat, da die schöne Künstlerin.

Die Dauer der 2012 begonnenen Beziehung ist unbekannt.

Bersets Pressesprecher wiederholte, was er allen Medien sagte. Es handle sich um „unwahre und ehrverletzende Behauptungen einer Privatperson über (Bersets) Privatleben von vor acht Jahren.“ In die gleiche Kerbe schlägt auch Bersets Anwalt.

Berset hatte Ende 2019 die Bundesanwaltschaft eingeschaltet, nachdem die Frau ihm Bilder und Dokumente per Mail geschickt hatte und drohte, die Informationen öffentlich zu machen.

Warum Berset zur Bundesanwaltschaft ging, obwohl es sich in seinen Augen um eine private Angelegenheit handle, ist nicht klar.

Normalerweise sind die kantonalen Polizei-Stellen für Strafanzeigen mit privatem Hintergrund zuständig.

Bersets Anwalt dementiert das: Bei Magistraten käme stets die nationale Ermittlungsbehörde zum Zug. 

Das ist aber nur bei Bedrohung der Fall, was hier nicht vorlag. 

Es stellt sich aber die Frage, warum erwähnt wurde, dass durch die Erpressungsoffenlegung Berset in seinem Amt behindert würde? Also hat er sich doch, entgegen seiner Ankündigung, erpressbar gemacht? Warum hat er den Gesamtbundesrat erst Tage später nach der grossen Aktion informiert?

Warum dieser Riesenaufwand durch Bundesanwaltschaft und -polizei wegen einer gescheiterten Romanze? Auch die Erpressungssumme war jetzt nicht weltbewegend…Der ganze Einsatz dürfte wesentlich mehr gekostet haben.

Warum die Auslöschung sämtlicher Daten und Rückstellung auf «Werkeinstellungen» bei sechs Geräten der «Täterin», was einer Auslöschung eines Teils ihrer Identität bedeutet?

Kann es sein, dass eine Spezial-Justiz die Mächtigen anders schützt als uns Normalos?

Dass die Frau, die heute Mitte dreissig ist, Jahre später von Berset 100’000 Franken forderte, hängt möglicherweise mit deren Geldsorgen zusammen. Gibt es, umso mehr, wenn der leibliche Vater, sie hat ein Kind von einem anderen Mann, nicht bezahlt. Geht gar nicht.

Wir erinnern uns an Frühjahr 2020 zurück: Die Glorifikation von Alain Berset durch die Leitmedien schien keine Grenzen zu kennen. Sogar grosses Mitleid zog ein, als er erklärte, er wäre seit drei Monaten wegen Corona-Stress nicht mehr zu Hause gewesen. Gut, von Bern nach Fribourg braucht man sehr lange. Vielleicht war der Sonnenkönig zu Hause zu Hofe bei der Gattin vorübergehend nicht mehr erwünscht? 

Aber: Die Geliebte vom Sonnenkönig, Louis XIV, Louise de la Vallière, blieb sich trotz ihrer Liaison zum König treu. Materielle Zuwendungen lehnte sie ab. In hinterlistige Machenschaften bei Hofe liess sie sich ebenfalls nicht hineinziehen. Ränkespiele waren nicht ihre Sache. Zum Glück sind die auch heute in der Politik nicht wieder vorhanden.

Und da er dank der digitalen Säuberungsaktion nicht mehr erpresst wird, regiert und navigiert er uns noch heute durch die stürmische Corona-See…