„Zuerst schuf der liebe Gott den Mann, dann die Frau. Dann tat ihm der Mann leid und er gab ihm den Tabak.“

Mark Twain

Mysteriöse Dinge passieren seit einigen Jahrzehnten beim Mann: Er wird immer unfruchtbarer. In der Tat findet ein dramatischer Rückgang bei den Anzahl Spermien pro Probe statt.

Schon immer hatten die Männer ein höheres Sterblichkeitsrisiko als Frauen, gesundheitlich, Waffen betreffend, im Strassenverkehr, bei „Mutproben“. Männer gewinnen in Sachen Sterblichkeit jede Altersklasse: Männliche Babys sterben häufiger als weibliche, kleine Jungs auch als kleine Mädchen, Teenager, junge Menschen, Menschen in der Lebensmitte. Männer sind rundum Sterbe-Champions….

Offenbar genügt das aber noch nicht, die Spezies Mann will definitiv nichts mehr mit der Menschheit zu tun haben und plant beschleunigt deren Rückzug vom Planet der Menschenaffen: Im Sommer 2018 hat eine Forschergruppe der Hebrew University und von der Mount Sinai Medical School eine Studie veröffentlicht, die besagt,  dass die Spermienanzahl in Proben in den USA, Europa, Australien und Neuseeland um mehr als 50% gefallen ist – in den letzten 40 Jahren. Klartext Jungs: Wir sind nicht mal mehr halb so fruchtbar wie unsere hashtag- und gendermainstream-verschonten Grossväter!

Es handelt sich um eine sogenannte Meta-Analyse, die 185 Studien berücksichtigt, darin enthalten 43’000 Spermienproben. Die genauen Zahlen: 99 Millionen Spermien pro Milliliter 1973 zu 47 Millionen 2011 – mit Trend zur beschleunigten Abnahme. Werden 40 weitere Jahre genügen, uns zum Fruchtbarkeits-Grounding, auch „Sperm count Zero“ genannt, zu führen?

Aber es geht nicht nur um Fruchtbarkeit, denn diese sinkenden Spermienzahlen sind nur the canary in the coal mine (Kanarienvögel wurden im Kohlebergbau unter Tag gehalten, da sie sehr sensitiv gegen gefährliche Gase sind. Ging es den Vögelchen schlecht oder starben sie gar, war es höchste Zeit, den Schacht gen Tag zu verlassen): Es ist längst bekannt, dass Männer mit tiefer Spermienzahl häufiger Diabetes, Herzkreislauf-Erkrankungen aber auch Krebs bekommen.

Wir haben es wie beim Stoffwechsel-Syndrom mit einem Symptomkomplex zu tun. Man spricht vom  TDS (Testicular Dysgenesis Syndrom), welches folgende Merkmale enthalten kann:

Hypospadia (Abnormale Lokalisierung des Harnröhrenendes)

Hodenhochstand

Tiefe Anzahl Spermien

Schlechte Spermienqualität

Hodenkrebs

Was generiert eine tiefe Spermienzahl?

Natürlich die alten Bekannten und üblichen Verdächtigen: Übergewicht, Bewegungsmangel, negativer Stress, Rauchen, Bluthochdruck. Es wäre aber zu einfach, es bei dem zu belassen: Wir haben eine industrielle Revolution hinter uns (und stecken mitten in einer neuen). Wir haben eine Erdölindustrie. Wir haben eine chemische Industrie. Und wir haben viel Plastik aus all dem gemacht. Kurz gesagt: Menschen (Männer sollen ja, zumindest für den Moment noch auch zu dieser Spezies gehören) sind diversen Umwelteinflüssen, insbesondere über feste Nahrung und Trinkwasser ausgesetzt und nehmen darin enthaltene Substanzen auf, die u.a. auch unsere Hormone beeinflussen, vor allem Östrogene und Testosteron. Wenn eine chemische Substanz Einfluss auf menschliche Hormone hat, wird sie als endokriner „Disruptor“ bezeichnet.

An vorderster Front Weichmacher, wie sie für die Herstellung von Plastik benötigt werden: Phthalate und Bisphenol A (BPA). Diese Substanzen machen nicht selten mehr als 50% der Gesamtmasse aus. Das grosse Problem ist, dass diese Substanzen fast überall enthalten sind, nicht nur in Pastik, sondern auch in Geliermitteln für Tabletten, Emulgatoren, Bindemitteln, Detergentien, Haarsparys, Nagellackentfernern, Sex Toys.

Vererbbar

Ein übergewichtiger Mann vererbt seinem Sohn keine tiefe Spermienzahl. Ist der Körper des Vaters aber reichhaltig geflutet von endokrinen Disruptoren,  kann sein Sohn bereits eine tiefere Spermienzahl übernehmen (Veränderung der Genexpression).

Kann etwas dagegen getan werden?

Viel mehr als Alibiübungen wurden bisher nicht durchgeführt. Ein chemisches Agens wurde durch ein anderes ersetzt, teilweise mit noch schlechteren Effekten, wie beispielsweise die Substitution von Bisphenol A durch Bisphenol S.

Die chemische (und die nicht weit entfernte) Nahrungsindustrie haben sich bisher erfolgreich resistent gezeigt, auf die enormen Kickbacks zu verzichten, die diese Produkte nach sich ziehen. Die Argumentation lehnt sich an die Kommunikation der Tabak- und später Zuckerindustrie an. Auch dafür finden sich immer wieder Gallionsfiguren, wie beispielsweise Elizabeth Warden, ihres Zeichens Präsidentin des American Council on Science and Health (!!!), die regelmässig von der Plastik- und Ölindustrie bezuschusst wird, u.a. von DuPont und Chevron. Ein Schelm, wer sich…

Zu viel Körperfett und dieser ganze Weichmacherschrott wandelt Testosteron in Östrogen um. Es ist deshalb durchaus von Vorteil, wenn man sein Körperfett (vor allem das Viszerale, also dasjenige um den „Ranzen“ herum) und seinen Testosteron-Wert kennt.

Männer können sich auf Fussball konzentrieren!

Es gibt Hoffnung: Eine neue Technology verspricht sie uns – die IVG (In vitro Gametogenesis) Damit wandelt man embryonale Stammzellen in Sperma und Spermien um. Bereits 2016 haben japanische Forscher (ausnahmsweise mal nicht an Walen) Baby-Mäuse „kreiert“ – mittels der IVG. Die Stammzellen wurden von ausgewachsenen weiblichen Mäusen entnommen. Die männliche Rolle dabei? Gar keine mehr. Die Männer am Ground Zero der Evolution. 

Was aber dann mit all den Hashtags? Und vor allem den eigenartigen, sich selbst feiernden Genderlehrstühlen an den Unis? Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht.

© Dr. med. Marco Caimi, maennerpraxis.ch