Monat: November 2018

TESTOSTERON – EINE WUNDERTÜTE?

„Je länger der Zyniker lebt, desto mehr beschleicht ihn das Gefühl, Liebe wäre eine hormonelle Entgleisung.“

Wolfgang J. Reus

Das Hormon Testosteron wird zu 90-95% beim Mann  im Hoden und bei der Frau im Eierstock gebildet. 5-10% stammen aus der Nebennierenrinde. Mann und Frau haben sowohl männliche als auch weibliche Hormone, wenn auch in unterschiedlicher Menge.

Was sind die Wirkungen von Testosteron?

Das Hormon Testosteron wirkt in allen unseren Lebensphasen und praktisch allen unseren Organen. Selbst die Stimmung wird positiv beeinflusst. Im Einzelnen:

Beide Geschlechter:

Stoffwechsel:

Verbesserung des Fettstoffwechsels (Cholesterin, freie Fette)

Verbesserung des Zuckerstoffwechsels (Erhöhung der Zuckertoleranz, Anti-Diabetes-Faktor)

Blut:

Bildung roter Blutkörperchen

Knochen:

Knochenaufbau

Erhöhung der Knochendichte

Muskeln:

Erhalt und Aufbau der Muskeln

Sexualität:

(Steigerung der) Libido

Erhöhte sexuelle Aktivität

Erektionsfähigkeit

Zentralnervensystem/Gehirn:

Positiver Einfluss auf Stimmung und Psyche

Mehr Antrieb

Weniger subjektive Müdigkeit

Körperliche Leistungsfähigkeit:

Steigerung der Leistung

Verbesserung des Sauerstoff-Haushaltes

Vorwiegend beim Mann:

Geschlechtsorgane:

Ausbildung der männlichen Geschlechtsorgane

Haut und Haare:

Bartwuchs

Männliche Körperbehaarung

Wie wirkt sich ein Testosteron-Mangel (Hypogonadismus) aus?

Wie aus obenstehendem ersichtlich wird, hat ein Mangel an Testosteron, der bei den Wechseljahren des Mannes, der sog Andropause (die schleichender verläuft als die weibliche Menopause) eintreten kann, nicht nur auf die Sexualität eine Auswirkung. Insbesondere kann es zu einer Ausbildung des sog. Stoffwechselsyndroms = metabolisches Syndrom) kommen. Das ist ein Komplex aus folgenden Krankheitsbildern, die einzeln oder in toto auftreten können:

Bluthochdruck

Übergewicht

Diabetes Typ II

Fettstoffwechsel-Störung(en) (sog. Dyslipidämien)

Die amerikanische Medizin-Literatur spricht vom „Deadly Quartet“.

Gute oder angehobene Testosteron-Werte verbessern insbesondere die Zuckertoleranz , die diversen Cholesterin-Fraktionen und die freien Fette. Die Risiken schlechter diesbezüglicher Werte auf insbesondere das Herz-Kreislauf-System sind  hinlänglich bekannt, inklusive das Risiko thrombo-embolischer Ereignisse. Mulligan et al. zeigten in einer prospektiven Studie an 2165 Männern > 45 Jahren folgende Häufigkeiten bei Testosteron-Mangel auf:

Dyslipidämien: 40%

Bluthochdruck: 42%

Diabetes II: 50%

Adipositas: 52%

(Mulligan T. et al. Int. J Clin Pract 2006;60:762-769)

Ebenso fördert ein Testosteronmangel eine schnellere altersbedingte Rückbildung der Muskeln und der Knochendichte (Stichwort: Osteoporose), Konzentrationsschwäche, Müdigkeitsgefühle, Schweissausbrüche/Hitzewallungen und depressive Verstimmungen mit Abnahme der geistigen Aktivität und insbesondere Lebensfreude.

Warum sollte insbesondere der Mann seinen Bauchumfang kennen?

Der Bauchumfang ist kein Mass für die Menge an Bauchmuskeln, sondern für die Menge an Fett im Bauchraum. Diverse Studien haben gezeigt: Je grösser der Bauchumfang beim Mann, desto niedriger ist in der Regel sein Testosteron-Spiegel. Männer mit einem Bauchumfang über 102 cm haben mit hoher Wahrscheinlichkeit einen zu tiefen Testosteron-Spiegel.

Ein dicker Bauch ist nicht sexy, auch nicht besonders gemütlich. Wer das behauptet, betreibt Selbstbeweihräucherung. Aber das Bauchfett ist vor allem eine „Hormonfabrik“. Es produziert Substanzen, die zu Entzündungen an den Gefässen führen und diese verengen können. Deshalb messen wir in der Männerpraxis nicht nur das gesamte Körperfett, sondern auch das Bauchfett (=viszerales Fett). 

Hinterlistige Fettzellen

Die Fettzellen treten in doppelter Hinsicht negativ auf:

Sie produzieren einerseits unkontrolliert das Sättigungshormon Leptin. Dadurch verringert sich seine Wirkung als Essbremse. Es kommt zu einer übermässigen Nahrungsaufnahme, da das Sättigungsgefühl nicht einsetzt.

Andererseits gibt es in den Fettzellen das Enzym Aromatase. Dieser Schlingel wandelt Testosteron in Östrogen um, das heisst, fette Männer verweiblichen, was bestenfalls im Sinne von radikalisieren #Hashtag-Feministinnen sein kann. Schon mal gewundert, warum so richtig übergewichtige Männer Brüste haben? Alles klar jetzt?

FRAUEN SPECIAL:

Alles bisher gesagte trifft im Prinzip auch auf Frauen zu, da es auch bei der Frau eine anabole (aufbauende und erhaltende) Wirkung entfaltet:

Herz-Kreislauf, Stoffwechsel, Knochendichte, Muskulatur, Psyche/Stimmung, Sexualität.

Trotzdem wird Testosteron heute noch häufig als lediglich männliches Hormon angesehen. Obwohl Testosteron bei der Frau in einem zehntel Ausmass wie beim Mann produziert wird, ist es ein wichtiges Hormon auch für die weibliche Sexualität und Gesundheit generell. Frauen mit Testosteronmangel haben nach Substitutionstherapie (Ersatztherapie) von Testosteron nachweislich häufiger Geschlechtsverkehr, eine positive Bejahung des Sexuallebens und eine normale(re) Orgasmusfähigkeit. Insbesondere nach Unterleibsoperationen wie Gebärmutter- und Eierstockentfernung entwickeln ca. 50% der betroffenen Frauen ein sog. HSDD (Hypoactive Sexual Desire Disorder). Nach Normalisierung des Testosteronwertes kam es zu einer Steigerung der sexuellen Aktivität um 74% (Prof. Susan David, Melbourne).

Diagnose eines Testosteronmangels

Bevor Sie nun irgendwo auf dem Schwarzmarkt des Internets als exquisites Weihnachtsgeschenk Testosteron für Ihre(n) PartnerIn kaufen nach dem Motto „lieber starke TigerInnen statt schlaffe KriegerInnen“ bedenken Sie eins:

„Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gesetzt,“sagte Demokrit schon im alten Griechenland. Dem ist beizupflichten. Längst nicht alle Menschen haben nach Meno- oder Andropause einen Testosteronmangel. Für Frauen und Männer empfiehlt sich als Top-Diagnostikum die Blutbestimmung.

Für Männer gibt es zudem noch einen spezifischen Testfragebogen, den AMS-Test (Aging Males’ Symptoms rating scale), den wir in der Männerpraxis natürlich griffbereit haben.

In den 80 und 90ern war es hip, im Rahmen des Anti-Aging-Hypes einfach allen Männern ab 45 Testosteron zu verabreichen. Das kann unter Umständen zu einem massiven Eingriff in den hormonalen Haushalt eines Menschen führen. Ist zu viel Testosteron an Bord, kann es zu Leber-, Nieren-, Prostata oder Herzschäden kommen, ebenso verkümmern die Testosteron produzierenden Organe, insbesondere die Hoden .

Also: Im Prinzip wie beim Auto: Voller Tank – fahren, leerer Tank oder Reserveanzeige – zur Tanke.

Behandlung des Testosteron-Mangels

Auffüllen! Es gibt mittlerweile Gels, die man bequem und schmerzlos auf der Haut aufträgt. Nach 2-3 Monaten nachmessen. Befolgen die Patienten die Therapie diszipliniert, sehen wir immer, dass sich das auch im Blut niederschlägt. (Sollte das ausnahmsweise nicht der Fall sein, kann man die Therapie auch mit Injektionen ca. alle 6-8 Wochen durchführen). Ist sehr selten.

Die Therapiefortsetzung definiert man je nach neu erreichtem Spiegel: Weiterführen für 1-2 Monate, Reduktion auf minimale Erhaltungstherapie oder bei starkem Anschlagen gar ein halbes Jahr Therapiepause und dann Nachkontrolle.

(Achtung:Die Dosierung bei der Frau ist ungleich tiefer als beim Mann und darf auf keinen Fall miteinander verglichen werden. Es gilt ja eine Virilisierung (Vermännlichung) der Frau zu vermeiden!)

Schluss-Motto: Stimmige Hormone, damit die besten Jahre von Frau und Mann auch die besten werden und bleiben!

© Dr. med. Marco Caimi; maennerpraxis.ch

WINTERZEIT – KRANKHEITSZEIT?

„Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“

Arthur Schopenhauer

Liebe Freunde

Ich hoffe, Ihr habt alle den goldigen Herbst geniessen können? Die Temperaturen fallen allmählich, die Tage werden kürzer, das Sonnenlicht wird rarer, nasskaltes Wetter wird auch diesen Spätherbst und Winter nicht ausbleiben.

Der November-Blues hält da und dort Einzug und wird durch die „besinnliche“ Weihnachtszeit manchmal gemildert, manchmal verstärkt. Müdigkeit, Lust- und Antriebslosigkeit machen sich breit, ohne dass es gleich immer ein Burnout oder eine klassische Depression sein muss.

Aber die angebrochene und bevorstehende Jahreszeit ist auch ein idealer Tummelplatz für Erkältungs- und Grippeviren, alleine oder in Folgebegleitung von Bakterien. Wir sind dem aber nicht schutzlos ausgeliefert.

Die Grippeimpfung ist allseits bekannt, wird aber höchst unterschiedlich vertragen. Ich möchte daher mehr auf unsere natürlich im Körper vorhandenen Abwehrkräfte eingehen. Eiweiss-Mangel, Zinkmangel, Eisenmangel sind leistungshemmende Faktoren. Das ist noch einigermassen bekannt. Bei Hormonen, zum Beispiel dem Testosteron, tappen viele im Dunkel, da es von Hausärzten sehr selten bestimmt wird. 

Eklatanter Vitamin D-Mangel

Zappenduster sieht es hingegen beim Vit. D aus, das übrigens auch ein Hormon ist und in der Haut in Zusammenspiel mit Sonnenlicht gebildet wird. Somit wird die Haut zu einer Drüse, einem endokrinen Organ. Entzieht man ihr die Sonne komplett, wird sie krank. Was eine kranke Drüse bedeutet, wissen Sie. Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse, Brustdrüse, Vorsteherdrüse, Keimzellen. Der Vitamin D-Mangel ist vor allem in den Wintermonaten, auch in der Schweiz, eklatant. Bereits 2012 ergab eine Studie an 776 Luzerner Hausarztpatienten einen Vitamin-D-Mangel von 45,1%. Und jetzt kommt es: Im September! Spezialisten sagen, gestützt auf weitere Studien, dass Ende Sommer die Häufigkeit von Vitamin-D-Mangel 50% erreicht, im März/April aber 80%!!

Hauptsymptome von Vitamin-D-Mangel:

Erhöhte Infektanfälligkeit

Müdigkeit

Leistungsabfall

Stimmungsabfall

Schlafstörungen

Erhöhte Gefahr von Knochenschwund

Warum aber ist das so?

Die Sonne ermöglichte erst das Leben auf der Erde. Die alten Ägypter, eine der am höchsten entwickelten Kulturen, haben die Sonne verehrt.

Nun aber wird sie verteufelt, von der WHO gar als toxisch eingestuft. Natürlich ist das Sonnenlicht ein Januskopf: Viel zu viel kann zum Melanom, dem Hautkrebs, führen. Zu wenig macht aber auch krank. Was kommt Ihnen dabei in den Sinn? Genau – Paracelsus. 

„Alles ist Gift, nichts ist Gift, die Dosis macht’s!“ Leider haben wir oft jegliches Mass verloren: Die einen rösten stundenlang an der Sonne, die anderen schmieren sich neurotisch für 5 Minuten Exposition mit Sonnenschutzfaktor 50 oder mehr zentimeterdick ein.

Kennen Sie Ihren Vitamin D-Vorrat?

Oder der anderer Leistungs- und Krankheitsschutzfaktoren? Keine Hexerei, das zu objektivieren. Dafür gibt es phantastische Labordiagnostik, wir nehmen Ihnen nur das Blut ab und besprechen ausführlich die Resultate und Konsequenzen daraus mit Ihnen und geben Ihnen sämtliche Befunde im Original mit, den diese gehören Ihnen. Wir behalten die Kopie.

Die Resultate liefert uns ein topprofessionelles Labor, das wir vor zwei Wochen vor Ort besichtigen durften. Wir waren beeindruckt. Modernste Apparate und Abläufe, am eindrücklichsten aber: Überall das vier-Augen-Prinzip, das einzige Labor, welches das so handhabt. Grund: Viele wissen gar nicht, wie viele Blutproben verwechselt werden…Vielleicht auch besser so.

Und: Wir haben die Resultate am nächsten Tag. Was sollen wir also mit eigenem  Hexenküchen-Labor herumwursteln?

Wie machst du das eigentlich?

Du bist ja auch nicht mehr der Jüngste. Etwas, das ich oft höre: Eine Praxis führen, Seminare geben, schreiben (wie jetzt zum Beispiel), Kabarett-Stücke verfassen und spielen und noch 50km die Woche laufen. 

Die Antwort ist einfach. Das eine alimentiert das andere mit Freude, der beste Motivator um zu arbeiten. Andere denken dafür dauernd über Überstunden nach. Kann auch glücklich machen.

Und ich kenne meinen Körper, was er braucht und was ihm manchmal fehlt. Denn was ich Ihnen mit diesem Newsletter zumindest theoretisch zumute, mache ich bei mir selbst: Regelmässig messen. Diagnostik. Ich fahre übrigens auch nicht auf die Autobahn, wenn die Benzin-Anzeige auf Reserve steht. Das Armaturenbrett ist Dauerdiagnostik.

Denken Sie mal darüber nach.

Wir sind für Sie da – ohne Unterbruch bis Weihnachten.

Herzlichst und ein tolles Herbstwochenende!

Marco Caimi