„Nichts ist so elend wie ein Mann, der alles will und nichts kann.“

Matthias Claudius

Wir dürfen dieses Jahr ein Jubiläum feiern: 20 Jahre Viagra. Hat das unser Leben bereichert? Eine Frage, die kontrovers diskutiert wird. Viele sprechen vom Sex-Doping, von Lifestyle-Quatsch, von Verlust von Körperbezug. Nicht selten sind die am meisten dagegen schreienden die grössten Anwender, so wie auch niemand den Blick liest oder DSDS schaut (und doch wissen alle Bescheid, wer Daniel Küblböck war – wie viele Jahre ist das schon her?)

Erstaunlich ist, und das sollte zu denken geben, dass die Anwender immer jünger werden (und mit jünger meine ich U 30!).

ED (erektile Dysfunktion) hat mannigfache Ursachen. Generell gilt: Je jünger ein Betroffener ist, umso unwahrscheinlicher sind organische Ursachen und umgekehrt:

Je älter, umso mehr können Gefässschädigungen im Vordergrund stehen, verursacht durch langjähriges Rauchen, Diabetes, Gefässerkrankungen anderer Ursache, denn bei der Erektion geht es auch um eine gute Durchblutung des männlichen Anhangorgans.

Ausbleibende Spontanerektionen oder unbefriedigende Erektionen können auch ein diskreter Hinweis auf Durchblutungsstörungen im ganzen Körper, zum Beispiel an den delikaten Herzkranz- und Gehirngefässen, sein oder wie ein Deutscher Kollege völlig zutreffend, wenn auch ziemlich direkt, formulierte: „Der Schwanz ist die Antenne des Herzens und des Gehirns!“

Darum im Zweifel auch die Abklärung des Herzens ins Auge fassen, aber bitte nicht mit simplem, wenig aussagendem Ruhe-EKG, sondern unter Belastung (Belastungs-EKG)

Nicht zu unterschätzen sind seelische Faktoren: Sehr belastende Situationen (beruflich, privat, gesundheitlich) wirken sich äusserst negativ auf die Erektionsfunktion aus. Vor dem Verschrieb von Viagra und artverwandten Produkten gilt es, insbesondere solche (Co)-Faktoren zu analysieren und möglichst einzudämmen oder zu eliminieren. Des weiteren gehört bei Männern, ich sage mal Ü40, auch die Analyse des männlichen Hormonstatus und anderer Blutwerte wie das PSA für die Prostata zur sorgfältigen Abklärung. Sind diesbezügliche Mangelzustände vorhanden, sind diese zu beheben. 

Die EVA…

Wie könnte es anders sein beim Mann: Wieder mal spielt die EVA eine wesentliche Rolle. In diesem Fall geht es aber nicht um die biblische Schlangenbeschwörerin und Apfel-Darreicherin, denn EVA bedeutet EarlyVascular Aging, vorzeitige Gefässalterung. Wir quantifizieren diese in der Männerpraxis einfach, unblutig und strahlenfrei mit einer etwas ausgedehnteren Blutdruckmessung (Arthrograph), bei der nicht nur der obere (systolische) und untere (diastolische) Blutdruck und die Herzfrequenz, sondern auch noch gleichzeitig die Pulswellengeschwindigkeit gemessen wird. Je höher diese ist, um so starrer sind die Gefässe und damit deren Zustand und die Durchblutung generell schlechter: Vom Gehirn, vom Herzen, vom ganzen Körper und beim Mann damit auch von seinem besten Freund. So können wir auch ganz einfach feststellen, ob das biologische Alter mit dem effektiven Jahrgang übereinstimmt oder die gemessene Person effektiv jünger oder älter ist, was den Zustand ihrer Gefässe betrifft.

Da nicht wenige auch eine Vergangenheit (hoffentlich hinter sich) haben (mit entsprechender Vorbelastung der Lungen) und Nikotin das stärkste, regelmässig konsumierte Gefässgift ist, bestimmen wir (ebenfalls unblutig) die Sauerstoffsättigung im arteriellen Blut.

Erektionsfördernde Mittel

Man unterscheidet relativ schnell ihre Wirkung entfaltende Mittel aus der „Viagra“-Gruppe (Wirkstoff: Sildenafil)  und eher langsam, dafür länger wirkende Mittel von der „Cialis“-Fraktion (Wirkstoff: Tadalafil). Die entsprechende Anwendung richtet sich gerade in festen Beziehungen nach der vornehmlich präferierten Sexualität einer Lebensgemeinschaft: Eher spontaner Sex oder eher mehr der Typ „romantisches Wochenende/Slow Sex“.

Eine Frage, die immer kontroverser diskutiert wird, ist: Darf man Alkohol dazu trinken? Ja, man darf, aber nicht zu viel, weil Alkohol ebenfalls wie die Mittel an sich gefässerweiternd ist und potentielle Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen verstärken kann. Und zu viel Alkohol macht müde Männer eh nicht munter, sondern nur noch müder….

Einnahme heimlich oder „deklariert“?

Liebe Herren, ich würde solche Mittel nicht heimlich einnehmen. Entdecken das die Frauen, kann es, sagen wir mal, „spezielle“ Reaktionen und Empfindungen auslösen. Einige Partnerinnen von Patienten, haben auch schon, völlig unabhängig von einander, den Begriff „chemisches Fremdgehen“ erwähnt. Ein durchaus interessanter Begriff, der an dieser Stelle nicht erschöpfend diskutiert werden kann.

Kosten von Erektionsförderern

Die Kosten, gerade in der Schweiz, sind erheblich, auch bei Generikas, und dadurch auch schon mal richtige Spassbremsen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht, was grundsätzlich auch in Ordnung ist.

Trotzdem empfiehlt es sich AUF KEINEN FALL im Internet bei unbekannten und ungeprüften Anbietern solche Substanzen zu bestellen. Nicht, weil sie besonders gefährlich wären, sondern vielmehr, weil, aus Kostengründen, vielleicht weniger Wirksubstanz drinnen ist als auf der Packung deklariert. Wenn dann Mann etwas einnimmt und es funktioniert wegen der beschriebenen Unterdosierung trotzdem nicht, kann es sich sehr unangenehm in dessen Kopf festsetzen und sogar mental chronifizieren, nach dem Motto: „Nicht mal das hilft noch…“

Die Männerpraxis hat den Überblick über möglichst erschwingliche, preiswerte und trotzdem qualitativ ganz sichere Lösungen. 

Fazit

Der Einsatz von erektionsstimmulierenden Substanzen ist nicht einfach ein Lifestyle-Quatsch, wie bösartige Zungen behaupten. Gerade die Sexualität in der zweiten Lebenshälfte oder gar im dritten Drittel wurde vor allem von uns Ärzten bis zum Ende des 20. Jahrhunderts tabuisiert oder zumindest negiert. Im gleichen Zug müssen wir aber auch von der starren Vorstellung loskommen, dass (männliche) Sexualität nur aus Erektion, Penetration und Ejakulation besteht. Auch sind wir alles Menschen und keine Maschinen, die auf Knopfdruck funktionieren. Das sind nur Rocco Siffredi und seine Kumpels J…!

Bei einer sorgfältigen Abklärung, diese in Kombination mit einer dosierten und verantwortungsvollen Anwendung des richtigen Präparates, können diese Mittel viel Freude in eine Paarsexualität (zurück)bringen.

@ Dr. med. Marco Caimi; maennerpraxis.ch